Investierst du dein Geld an der Börse, kannst du grundlegend zwischen zwei Strategien wählen. Einerseits dem aktiven Investieren. Andererseits dem passiven Investieren. (Oder du kombinierst beides.)
Klar, auch beim passiven Investieren entscheidest du vorher aktiv, welche Geldanlagen dir passend scheinen. Dennoch gibt es eklatante Unterschiede. Hier ein kurzer Einblick in beide Anlagestrategien.
Was ist aktives Investieren?
Investierst du aktiv, dann kaufst und verkaufst du aktiv einzelne Wertpapiere. Dein Ziel ist es, maximale Rendite zu erreichen. Was „maximale Rendite“ bedeutet, liegt in deinem Ermessen.
Also beschäftigst du dich mit einzelnen Aktien, Anleihen, Fonds & Co.. Mit anderen Worten: Du wertest Unternehmenskennzahlen aus und beobachtest Entwicklungen von Branchen, Märkten und Unternehmen. (Oder du beauftragst jemanden mit dieser Aufgabe und zahlst dafür eine Stange Geld)
Fakt ist, aktives Investieren kostet unheimlich viel Zeit. So manchem bereitet das aber derart viel Freude, sodass sie oder er diesen Umstand gern in Kauf nimmt.
(Ich habe das mal eine Zeit ausprobiert. War spannend. Aber u.a. vom Zeit-Invest her ist es absolut nicht mein Ding.)
Nochmal zurück zur maximalen Rendite. Klar, wenn du dich bemühst alles selbst auszuwerten und zu timen, dann sollte sich der Aufwand auch lohnen. Doch das mit dem „Lohnen“ ist wissenschaftlich betrachtet gar nicht so eine subjektive Ermessenssache, wie es zuerst vielleicht aussieht.
Machst du dir die Mühe, dein Geld aktiv zu investieren, dann solltest du in diesem Zeitraum eine bessere Rendite erzielen als der durchschnittliche Markt.
Warum sollte man mit dem aktiven Investieren besser abschneiden als der Gesamt-Markt?
Weil es sonst schlichtweg keinen Sinn ergeben würde, all die Zeit mit Wertpapierbewertungen zu verbummeln und Orderkosten zu zahlen, wenn ich die Renditen auch mit der passiven Anlage in einen Index erzielt hätte.
Aktives Investieren nennt man auch „Stock Picking„. Stocks sind börsennotierte Werte. Picking bedeutet, du suchst dir diese Werte eigenständig nach eigener Strategie heraus und handelst diese an der Börse. Deshalb spielt auch das „Marketing Timing“ hier eine wichtige Rolle. Das sind die Zeitpunkte, zu denen du deine Wertpapiere kaufst oder verkaufst.
Und in Summe ist das Ziel dieser Handlungen: Überrendite. Bessere Renditen einzufahren als die durchschnittliche Rendite aller Marktteilnehmer.
Wer aktiv investiert, kann damit unterschiedlich umgehen. Manche kaufen und halten ihre Wertpapiere über sehr lange Zeiträume (Buy and Hold). Andere traden ihre Wertpapiere in sehr kurzen Abständen oder tun etwas irgendwo dazwischen.
Okay, wir stellen hier fest. Ganz schön viel Aufwand.
Was ist passives Investieren?
Investierst du passiv, dann setzt du auf einen Markt bzw. Index. Du vertraust darauf, dass sich der Markt oder Index langfristig positiv entwickeln wird. Und das zu möglichst niedrigen Konditionen.
Passive Anleger sind von Haus aus Anleger mit einem sehr weiten Anlagehorizont (meist 10 Jahre oder deutlich mehr).
Dabei setzt du nicht auf einzelne Werte, sondern auf eine breite Streuung durch viele gebündelte Werte innerhalb eines Index oder Marktes. Du suchst dir diese Werte also nicht selbst und einzeln aus.
Das ermöglichen dir Indexfonds und ETFs. Das sind keine aktiv gemanagten Fonds, sondern Wertpapiertöpfe, die Aktien und Anleihen von Indizes und Märkten bündeln. Heißt, da sitzt keiner, der immer wieder neu entscheidet, welche Wertpapiere in den Topf kommen (und der am Ende auch Geld kostet und damit die Fondskosten erhöht).
Da sich der Indexfonds/ETF an einem Index oder Markt orientiert, ist seine Zusammensetzung klar geregelt. Dadurch entsteht in der Regel (nicht immer, aber meist) schon automatisch eine breite Streuung deiner Geldanlage.
Grundsätzlich bedeutet eine breite Streuung über viele Werte immer auch ein geringeres Anlagerisiko.
Kleines Beispiel: Der MSCI World Index beinhaltet circa 1.600 Aktien. Kaufst du einen Anteil an einem MSCI World Index ETF bist du an diesen 1.600 Aktien beteiligt. Eine so enorm breite Streuung ist über aktives Investieren bzw. Stock Picking kaum hinzubekommen.
Der Markt – Freund oder Konkurrent?
Je nachdem, ob aktiv oder passiv, kannst du den Markt bildlich gesprochen als Freund oder Konkurrenten betrachten.
Aktives investieren ergibt nur Sinn, wenn du den Markt/Index im gleichen Zeitraum schlägst. Heißt, du erzielst eine Überrendite im Vergleich zur Marktentwicklung.
Investierst du passiv, ist der Markt dein Freund. Denn du investierst in diesen Markt, um von seiner Entwicklung zu profitieren.
Die Finanzmarktforschung beschäftigt sich seit vielen Jahrzehnten mit der Frage, was denn nun besser, attraktiver, profitabler sei. Es gibt unzählige Studien.
Und diese kommen in einer Vielzahl zu dem Schluss: Passiv investierte Geldanlagen erzielen in unzähligen wissenschaftlichen Vergleichen die höhere Nettorendite. Erst recht, wenn sich der Anlagezeitraum erhöht. Umso wahrscheinlicher ist jene höhere Nettorendite im Vergleich zu aktiv investiertem Kapital.
Welche Strategie passt zu mir?
Rein wissenschaftlich betrachtet, ist das passive Investieren die einzig sinnvolle Entscheidung für Privatanleger:innen. Zumindest wissenschaftlich betrachtet, ist es kaum möglich, über so lange Zeiträume permanent bessere Renditen als der Markt zu erzielen.
Aber wir sind Individuen und handeln eben nicht nur rein wissenschaftlich, sondern oft auch intuitiv und beeinflußt von Informationen.
Hier ein Überblick über die grundsätzlichen Merkmale beider Strategien.
Aktives investieren
über Stock Picking, Fonds Picking etc.
eher komplexes Setting
viel Zeitaufwand
vergleichsweise hohe Kosten
kaum wissenschaftlicher Bezug
hoher Stress (v.a. bei starken Kursschwankungen)
Passives investieren
über Indexfonds / ETFs
meist eher simples Setting
sehr wenig Zeitaufwand
niedrige Kosten (v.a. durch Buy&Hold)
hoher wissenschaftlicher Bezug
wenig Stress
Ist aktives Investieren deshalb nun grundsätzlich keine gute Idee? So pauschal natürlich nicht. Betrachten wir die Sache allerdings aus Privatanleger:innen-Sicht, kommt uns passives investieren in vielerlei Hinsicht entgegen.
Es braucht nicht viel Zeit, wir bürden uns wenig zusätzlichen Stress auf und die Kosten halten sich in Grenzen bei meist ziemlich akzeptabler Performance.